Kultur
08.08.2017 13:15
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 Der Chorverband NRW und der Chorverband Siegerland trauern um Hermann Otto. Der Birlenbacher widmete sein Leben dem Laiengesang und war immer ansprechbar, wenn es um die Belange der Chöre ging. Am Montag ist Hermann Otto im Alter von 72 Jahren gestorben. Foto: Chorverband NRW

Der Chorverband NRW und der Chorverband Siegerland trauern um Hermann Otto. Der Birlenbacher widmete sein Leben dem Laiengesang und war immer ansprechbar, wenn es um die Belange der Chöre ging. Am Montag ist Hermann Otto im Alter von 72 Jahren gestorben. Foto: Chorverband NRW

Ein Leben für den Chorgesang

Zum Tod von Hermann Otto

sz/zel - Im Alter von 72 Jahren ist am Montag Hermann Otto aus Siegen verstorben, Ehrenpräsident und bis 2015 zwölf Jahre Präsident des Chorverbandes Nordrhein-Westfalen. Noch am 18. Januar dieses Jahres hatte er aus der Hand der damaligen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft den Verdienstorden des Landes NRW entgegennehmen können. Ottos Nachfolgerin an der Spitze des Chorverbandes, Regina van Dinther, Landtagspräsidentin a. D., würdigt den Verstorbenen so: „Hermann Otto hat sich sein Leben lang eingesetzt für das Ansehen, die Erneuerung und Weiterentwicklung der Chormusik in unserem Land und bundesweit. Das werden wir ihm nie vergessen.“ Ein Leben für den Chorgesang – das war das Motto für Hermann Otto, mittelständischer Unternehmer aus Siegen, dreifacher liebevoller Vater – und ein herausragendes Vorbild für ehrenamtliche Arbeit.

Alles begann beim MGV Birlenbach

Hermann Otto begann mit 16 Jahren zu singen, im MGV Birlenbach, wohin sein Vater ihn mitgenommen hatte. Der junge Sänger hatte Talent zum Organisieren – so kam es, dass er kurz nach seinem Eintritt in den Chor das Amt des 2. Notenwarts übernahm. Es wurde eine lebenslange Liebe zum Laienchorgesang. Hermann Otto war zunächst stellvertretender Vorsitzender und Vorsitzender einiger Chöre, bevor er 1986 den Vorsitz des Sängerkreises Siegerland (heute Chorverband Siegerland) übernahm. Das Amt bekleidete er bis 2008; er war Ehrenvorsitzender des Chorverbands Siegerland, der ihm viel zu verdanken hat. „Er war unheimlich beliebt“, sagt Gert Bruch aus Dahlbruch, der heutige Vorsitzende des Chorverbands Siegerland, „er ist mit allen Sängerinnen und Sängern gut ausgekommen.“ Otto sei für ihn immer ein guter Ansprechpartner gewesen, schon in der Zeit, als Bruch im erweiterten Vorstand des Verbands tätig war und auch in den vergangenen Jahren, vor allem, wenn es um Meisterchorsingen ging, die in der Region stattfinden sollten. „Die Zusammenarbeit war sehr kameradschaftlich.“

Müheloses Wechseln vom Platt ins Hochdeutsche und zurück

„Er war ein Mensch, der jederzeit ansprechbar war“, erinnert sich Verbandschorleiter Gerhard Schneider aus Netphen. „Er hatte immer ein offenes Ohr – ob es um finanzielle Zuwendungen oder eine vergessene Anmeldung zum Leistungssingen ging.“ Und was Schneider noch hervorhebt: „Hermann hatte eine gute Beziehung zu Gott und der Welt. Er kannte alle Chöre, alle Sänger.“ Gern denkt Gerhard Schneider an Ottos Fähigkeit, fließend zwischen Hochdeutsch und Siegerländer Platt hin- und herzuwechseln, was zu manch einem schallenden Gelächter geführt habe, und an eine gemeinsame Fahrt nach Duisburg, vor der Hermann Otto eigenhändig noch Mettwürstchen und Brötchen für die Tagungsteilnehmer besorgt hatte.

Präsident des Chorverbandes NRW von 2008 bis 2015

2008 wurde Otto Präsident des Chorverbands NRW. Bis 2015 stand er als Präsident an der Spitze seines Verbandes, 25 Jahre gehörte er dem Präsidium an. Im Landesmusikrat NRW, in der dortigen Arbeitsgemeinschaft Laienmusik und auch bei den Zuständigen für die Kulturpolitik im Lande fand Ottos sonore Stimme immer Gehör. Basisnähe war sein Markenzeichen. Unter seiner Führung konnte der Chorverband NRW deutlicher als je zuvor zur „Stimme fürs Singen“ werden: Fast 3000 Chöre mit rund 170 000 Mitgliedern machen den Chorverband NRW zum stärksten Kulturverband im Land. Hannelore Kraft sagte dazu: „So viel Musikbegeisterung, so viel Talent, so viel Können, so viel Einsatz verdienen eine besondere Würdigung.“

„Toni singt“ für Kleinkinder und „Sing mit, bleib fit“ für Senioren

Der Chormusik hat Otto sein Leben gewidmet. So schuf der Chorverband NRW in Ottos Zeit das erste und bislang erfolgreichste Singförderprogramm für Kleinkinder und ihre Familien: Die Initiative „Toni singt“ führte über die Fortbildung begeisterter Erzieher und Erzieherinnen schon Zehntausende Kinder ab dem achten Lebensmonat in Kitas und daheim zum kindgerechten Gesang. „Sing mit, bleib fit“ nennt der Verband das danach aufgelegte Förderprogramm für Stimmen ab 60. Als „Brücke für die Generationen“ erfolgreich, nimmt sich der Verband inzwischen zusätzlich besonders der Aufgabe an, mit Hilfe der Musik Brücken zwischen den Kulturen zu schlagen. Große Chorbühnen mit Chören aus NRW begleiten inzwischen die alljährlichen NRW-Tage im Land, Großereignisse wie das „Sing-&-Swing-Festival“ oder „German a cappella“ verweisen auf zeitgemäße Chorstrukturen. Der Chorenthusiast Otto hatte noch die lange Durststrecke nach den 1960er-Jahren erlebt, als Chormusik überall für „out“ erklärt wurde. Noch bis zuletzt übrigens hat Hermann Otto Anteil genommen am Leben der Chöre: Beim Meisterchorsingen 2017 des Chorverbands NRW saß er unter den Zuhörern, als sich 35 Chöre am 25. Juni in Arnsberg-Neheim um die Bestnoten der Fachjury bewarben. Sängerinnen und Sänger begrüßten ihn mit begeistertem Applaus. Es sollte der letzte Beifall werden, den Hermann Otto erleben durfte.

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