Kultur
06.10.2017 09:29
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 Wenn der Schlager-Fuzzi mit dem Rapper singspielt: Karsten Burkardt (l.) und Mohamed El-Chartouni stehen im Mittelpunkt der Inszenierung von Werner Hahn.Foto: bö

Wenn der Schlager-Fuzzi mit dem Rapper singspielt: Karsten Burkardt (l.) und Mohamed El-Chartouni stehen im Mittelpunkt der Inszenierung von Werner Hahn.Foto: bö

Gelungene Premiere für Rap-Revue

„ZugZwang“ im Apollo

bö - Dunkle Haare, schwarzer Bart, Sonnenbrille. Glatze, Bomberjacke, genau so große Klappe. Hahnenkampf-Stellung. Wortgefecht, Beleidigungen inklusive. Klar, ein Ritual. Oft bleibt es dabei. Inländer gegen Ausländer. Ist das alles? Nee, so schwarz-braun, sorry, schwarz-weiß ist die Welt längst nicht mehr. Sie ist nicht nur enger zusammengerückt, sondern auch viel komplizierter geworden. Und Germania ganz schön bunt. Generationen stehen sich gegenüber, Jugendliche, die die ganze politische Bandbreite abdecken, Flüchtlinge der ersten empfangen die der zweiten Generation auch nicht gerade mit offenen Armen. Wo ist der Kitt, der das und noch viel mehr zusammenhält? Musik? Die kennt ja angeblich keine Grenzen. Aber komm Rappern mal mit Schlagern, das gibt die nächste Schlacht. Oder?

Werner Hahn ist der Regisseur von „ZugZwang“

Unter Umständen gerät man nämlich bei der Diskussion musikalischer Vorlieben genauso schnell in „ZugZwang“ – der Duden definiert es so: Notwendigkeit, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt (in bestimmter Weise) zu entscheiden, etwas Bestimmtes zu unternehmen oder zu erreichen– wie bei gesellschaftspolitischen Themen. Einfacher gesagt: Wer bei Brettspielen in Zugzwang gerät, hat meist schon verloren. Im Apollo gab es bei der Premiere der Rap-Revue „ZugZwang“ gefühlt nur Gewinner. Das Publikum der Reihe JAp (Junges Apollo), dessen Leiter Werner Hahn Regie führte und die Revue mit Mohamed El-Chartouni, besser bekannt als B. E. der Micathlet, geschrieben hat, spendete stehend Applaus und ging phasenweise sogar konzertmäßig richtig ab. Das wird sich bei den zehn geplanten Vorstellungen an Schule im Kreisgebiet sicher noch steigern lassen. Zufrieden sein können auch die guten Darsteller, die zudem überzeugend sangen, rappten und tanzten, und die formidable, druckvolle Band Fläshmob (Giuseppe Todaro, Dieter Biermann, Paul Grund, Jan Jost, Johannes Kray und Louisa Lettow, die gekonnt vokale Akzente setzt). Das passte!

Karsten Burkardt als in die Jahre gekommener Schlagerstar

Im Zentrum der Inszenierung, die vom NRW-Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, von „Vielfalt und Zusammenhalt“ Siegen-Wittgenstein und dem Kultursekretariat NRW Gütersloh gefördert wird, stehen der in die Jahre gekommene Schlagerstar und Moderator Peter von Krusefeld (Karsten Burkardt, Lieblingssatz: „Das ist ganz groß!“) und der Rapper D. K. (Mohamed El-Chartouni). Beiden gelingt es, die inneren Selbstzweifel ihrer Figuren gut rüberzubringen, ihre Angst vorm Scheitern spürbar zu machen. Zumal am Thron des „Dark Knights“, dessen Auftreten die innere Unsicherheit kaschiert, schon der eigene Bruder rüttelt. Apropos Brüder: Najib El-Chartouni (Gonzales) und Ibrahim El-Chartouni (Speedy) wirbelten mächtig über die Apollobühne. Im Zentrum stand natürlich die Musik, an der tatsächlich auch Menschen, die beim Thema Rap normalerweise nicht unbedingt die Ohrmuscheln bis zum Anschlag öffnen, Freude haben können. Zum einen, weil die differenzierten Texte Mohamed El-Chartounis (er gibt auch noch einen Crash-Kurs in Sachen Rap-Spielarten) hörenswert sind, zum anderen, weil der von Fläshmob ausgerollte Soundteppich so vielfältig und bunt ist.

„Hoch auf dem gelben Wagen“

Wenn die Band fast countryesk durch „Hoch auf dem gelben Wagen“ rumpelt, dann hat das was, zumal Karsten Burkardt, der gut bei Stimme ist, den Buben und Mädchen noch einiges zum Text zu erläutern hat. Und auch das zweite angestimmte Volkslied („In einem kühlen Grunde“), ein Schlager im besten Sinne, passt prima ins Konzept. Es wäre klasse, wenn die Musik sich als gemeinsamer Nenner entpuppen würde. Jetzt kommt ein Satz fürs Phrasenschwein: Die Hoffnung stirbt zuletzt! Als Treffer entpuppte sich die Idee, Akteure des Jungen Theaters Siegen im Zuschauerraum zu verteilen, die immer wieder ins Geschehen eingriffen. Eigentlich schade, dass sich die toughen Mädels, die zu Beginn mit Spruchbändern („Vielfalt gegen rechts“) demonstrierten, so schnell von „Schulleiter“ Werner Hahn in die Schranken weisen ließen.

Sehens- und hörenswerte Rap-Revue im Apollo

Fazit: „ZugZwang“ ist eine sehens- und hörenswerte Rap-Revue mit Schlagereinsprengseln, die jungen Menschen ihre Lebenswirklichkeit vor Augen führt und älteren Semestern Einblicke in die Jugendkultur gewährt. Und zudem bei allem Unterhaltungswert, die kleinen grauen Zellen nicht brachliegen lässt.

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