Lokales
17.05.2017 15:53
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 Auf dem Westerwald muss nicht zwangsläufig der Wind kalt pfeifen. Gestern beispielsweise versprühten die grünen Höhen bei bestem Wetter Urlaubsfeeling pur, wie hier bei Hachenburg. Foto: dach

Auf dem Westerwald muss nicht zwangsläufig der Wind kalt pfeifen. Gestern beispielsweise versprühten die grünen Höhen bei bestem Wetter Urlaubsfeeling pur, wie hier bei Hachenburg. Foto: dach

Region wehrt sich gegen Kritik aus Berlin

Streit um Westerwald-Lied

thor - Der kalte Wind soll weiter pfeifen und jeder kleinste Sonnenschein auch künftig tief ins Herz hineindringen: Der Westerwald wehrt sich dagegen, dass seine „Hymne“ auf den Index kommt. Am Wochenende war bekannt geworden, dass das Verteidigungsministerium die neue Auflage des Bundeswehr-Liederbuchs „Kameraden singt“ gestoppt hatte, weil einige Textpassagen nicht mehr dem Werteverständnis entsprochen hätten, so die offizielle Begründung. Und neben Liedern wie „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ oder dem „Panzerlied“ war eben auch das Westerwald-Lied in die Kritik gekommen.

In ganz Deutschland bekannt

Es dürfte dabei kaum ein Lied geben, das so eng mit einer Landschaft in Deutschland verbunden ist und das vor allem (fast) jeder zwischen Nordsee und Alpen kennt. Laut „Radio Luxemburg“ soll es sogar einmal das drittbekannteste Lied der Welt gewesen sein.

Marschlied der Wehrmacht

Nun ist es zweifelsohne ein Wanderlied, hat aber zugleich wegen seiner Marschtauglichkeit einen eindeutigen militaristischen Hintergrund. Das Westerwald-Lied war eines der beliebtesten Lieder der Wehrmacht. Nach dem Krieg galt das Stück zwar zunächst als „belastet“, erfreute sich dann aber bei der Bundeswehr und der französischen Fremdenlegion wieder großer Popularität.

1932 auf dem Stegskopf geschrieben

Entstanden ist es übrigens auf dem Stegskopf. Nach Angaben von Heimatforscher Ulrich Meyer, dem Vorsitzenden des Arbeitskreises Heimatgeschichte Daadener Land, wurde der Text 1932 in einem Lager des Freiwilligen Arbeitsdienstes geschrieben. Demnach hatten sich der damalige Daadener Bauamtsleiter Willi Münker, Lagerleiter Böhmer und Sportlehrer Scharthauer in der Aufsichtsbaracke getroffen, weil ein Unwetter jegliche Arbeiten unmöglich machte. Mehr oder weniger spontan bzw. aus Langeweile soll dann das Westerwald-Lied entstanden sein. Quellen, wonach der Ursprung des Liedes in der Siegfriedhütte zu suchen ist, hätten sich als falsch herausgestellt, so Ulrich Meyer.

„Erinnerung lässt sich nicht verbieten“

Achim Schwickert, Landrat des Westerwaldkreises und zugleich Vorsitzender des Westerwald-Vereins, wollte die Entscheidung des Bundesverteidigungsministeriums weder bewerten noch kommentieren, Er wolle einfach abwarten, was dabei herauskommt, heißt es in seinem Statement. Es handele sich auch offenkundig nicht um ein Verbot: „Im Übrigen lässt sich die Erinnerung an ein Lied ohnehin nicht verbieten. Das Westerwaldlied ist in unserer Region sprichwörtlich ,bekannt wie ein bunter Hund’, die Westerwälderinnen und Westerwälder identifizieren sich damit auch mit der Region, die entweder schon Heimat ist oder zur Heimat wird. Insofern entscheiden auch hier die jeweiligen Vereine, Institutionen und Veranstalter selbst, ob sie das Westerwald-Lied spielen bzw. singen.“

„Das Lied kann ja nichts dafür...“

Konrad Schwan, Vorsitzender des Kreis-Heimatvereins Altenkirchen, hält die Diskussion für „typisch deutsch“ und dementsprechend übertrieben: „Das Lied kann ja nichts dafür, dass es missbraucht wurde.“ So sei er im vergangenen Jahr zu Besuch in Krakau gewesen, dabei sei abends im polnischen Fernsehen ein Film über den Einmarsch deutscher Truppen gelaufen: „Und es ist historisch belegt, dass dabei in Krakau das Westerwald-Lied gesungen wurde“, berichtete Schwan. So habe es zwar einen Beigeschmack, aber keinen nationalistischen Hintergrund. Er habe das Lied noch vergangene Woche gesungen und werde es auch künftig singen.

Ausdruck der Heimatverbundenheit

Auch der Westerwälder Bundestagsabgeordnete Dr. Andreas Nick hat sich zwischenzeitlich in die Diskussion eingeschaltet. „Das Westerwald-Lied wird bei uns im Westerwald selbstverständlich auch künftig als Ausdruck unserer Heimatverbundenheit gern und regelmäßig gespielt und gesungen werden, beim Wandern oder Volksfesten, von unseren Musik- und Gesangvereinen ebenso wie bei offiziellen Anlässen – selbstverständlich auch bei Veranstaltungen der Westerwälder CDU.“

Bei Bundeswehr sorgsam abwägen

Im Hinblick auf seine Verwendung im Rahmen der Bundeswehr bleibe allerdings zu beachten, dass das Westerwald-Lied als Marschlied der Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs in ganz Europa Verbreitung gefunden habe und in vielen Ländern, etwa in Frankreich und den Niederlanden, eng mit der Erinnerung an die deutsche Besatzung verbunden sei. Schon bisher wird laut Nick im Liederbuch der Bundeswehr deshalb richtigerweise auf diesen historischen Kontext verwiesen: „Dieses Lied ist das wohl bekannteste Lied der ehemaligen deutschen Wehrmacht. (...) Es sollte daher immer besonders sorgsam abgewogen werden, ob und wo dieses Lied durch Angehörige der Bundeswehr gesungen wird.“ Thorsten Stahl

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