Kultur
09.07.2017 18:50
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 War wunderbar: Jan Plewka und die schwarz-rote Heilsarmee sangen und spielten Songs von Rio Reiser unterm Julimond – an einem lauen Abend im Hof des Oberen Schlosses. So wünscht man sich sein Sommerfestival. Foto: zel

War wunderbar: Jan Plewka und die schwarz-rote Heilsarmee sangen und spielten Songs von Rio Reiser unterm Julimond – an einem lauen Abend im Hof des Oberen Schlosses. So wünscht man sich sein Sommerfestival. Foto: zel

Alte Zeiten, neue Zeiten

Rio Reiser unterm Julimond

zel - Am Ende unterm Julimond: der „Junimond“ als Reggae. Das Original ging wohl nicht, das soll bei Rio Reiser bleiben. Wo die Band Echt dem Song nichts hinzuzufügen hatte, versucht Jan Plewka es erst gar nicht. Gut so. Aufstehen, die eingeschlafenen Beine bewegen und sich schütteln – nach zwei Stunden Programm tat das gut. Das Programm tat aber auch gut: „Jan Plewka singt Rio Reiser“ spielte die Songs von damals nochmal ab, die bei vielen zum Soundtrack ihres Lebens gehören, aber der Selig-Sänger und die Schwarz-Rote Heilsarmee (also die Band) machten die Lieder zu ihren, manchmal mehr, manchmal weniger. Das war eine Art Hommage, ein Plewka-Konzert, eine Rock ’n’ Roll-Revue mit Songs aus den 70ern und 80ern – um der alten Zeiten willen, die auch nicht gut waren – und die neuen Zeiten sind keinen Deut besser. Rio Reiser, der linke Liederdichter und Utopist, 1996 im Alter von 46 Jahren gestorben, hätte viel zu dichten und zu singen heute …

Plewka und Band spielten und sangen nicht nur, sie inszenierten

2010 waren Plewka und Band schon mit dem Programm im Apollo-Theater. Am Samstagabend spielten sie im Hof des Oberen Schlosses – endlich mal ein Sommerfestival-Termin, wie man ihn sich lange wünschte. Laue Luft und Lust, die Lieder, die den Traum von einer anderen, besseren Welt zum Thema haben, noch einmal zu hören. „Jeder wird haben, was er braucht“? Rio, der alte Sozialromantiker – aber wer wird die neue Welt bauen, wenn nicht du und ich? Romantik, das können Plewka und Co. auch, aber sie brechen sie (ironisch?): Zum „Rauch-Haus-Song“ setzten sie sich ums Elektro-Lagerfreuer, das Publikum sang mit wie einst der Hausbesetzer-Chor auf der Platte „Keine Macht für Niemand“ (1972) von Ton Steine Scherben, deren Kopf und Sänger Rio Reiser war: „Ihr kriegt uns hier nicht raus! Das ist unser Haus …“ Jan Plewkas mächtige, ähnlich raue Stimme passt gut zu den Reiser-Songs, denen er im weißen Hemd mit überlangen Ärmeln und (später) in roter Hose mit Goldnieten auch etwas Theatralisches, eine Inszenierung mitgibt. Die Band zog durchs Publikum, um Geld fürs Bier für die Zugrückfahrt zu sammeln („Der Turm stürzt ein!“), bei „Irrenanstalt“ ging Plewka von der Bühne und war auf Leinwand in einem Video beim Herumirren auf dem Hamburger Hauptbahnhof zu sehen, er spielte allein das Akkordeon nach einer kurzen Einweisung des Kollegen und er reichte die Melodica weiter ins Publikum – an jene Frau, die er bei „Für immer und dich/Per sempre e te“ anschmachtete.

Diese Idee von Freiheit - auch im Privaten

Auch die Idee von Liebe verknüpfte Rio Reiser mit dieser Idee von Freiheit – am schönsten ist ihm das vielleicht bei „Lass uns ’n Wunder sein“ gelungen. Zeitlos schön, wie die Plewka-Version bewies. Das Konzert ging ohne den „König von Deutschland“ zu Ende, aber mit viel Rock ’n’ Roll, „Der Traum ist aus“ und tatsächlich einem Oboen-Solo – und dann der „Junimond“-Reggae und dann noch viel mehr: Die Zuhörer fanden es herrlich.

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