Kultur
01.10.2017 14:06
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 Der Perkussionist Martin Grubinger spielte sich an Stabspielen, Trommeln und Becken in die Herzen des Siegener Publikums. Gemeinsam mit der Philharmonie Südwestfalen gestaltete er einen außergewöhnlichen Konzertabend in der Siegerlandhalle. Eingeladen hatte die Sparkasse Siegen aus Anlass ihres 175-jährigen Bestehens. Foto: René Achenbach

Der Perkussionist Martin Grubinger spielte sich an Stabspielen, Trommeln und Becken in die Herzen des Siegener Publikums. Gemeinsam mit der Philharmonie Südwestfalen gestaltete er einen außergewöhnlichen Konzertabend in der Siegerlandhalle. Eingeladen hatte die Sparkasse Siegen aus Anlass ihres 175-jährigen Bestehens. Foto: René Achenbach

S-Klassik-Gala der Philharmonie Südwestfalen

Konzert mit Martin Grubinger

ciu - Wer das Vorrecht hatte, am Freitag bei der S-Klassik-Gala der Philharmonie Südwestfalen dabei sein zu dürfen, dem war echtes Glück beschieden. Denn mit dem Schlagzeuger Martin Grubinger war ein Solist gewonnen worden, der einer der besten seiner Zunft ist. Seine Kunst zu hören, zu sehen, zu erleben, war pures Vergnügen. Der Musiker aus Österreich, der in den großen Konzerthäusern der Welt zu Gast ist, mit den renommiertesten Orchestern spielt, zeigte in der Siegerlandhalle, vieles von dem, was ihn auszeichnet: eine unglaubliche Variabilität im perkussiven Spiel, das Geschick, einen Klangkosmos zu schaffen und auszugestalten, Vergnügen auch an artistischen Kabinettstückchen (wie bei der Pipe-Drum-Zugabe „Planet Rudiment“, von seinem Lehrer/Vater Martin Grubinger für ihn geschrieben, bei der er die neonfarbenen Sticks ziemlich wild tanzen ließ), das Mitnehmen derer, die mit ihm performen (in diesem Fall die Philharmonie Südwestfalen, die außerordentlich gut mit dem nahbaren Virtuosen harmonierte), und auch eine menschliche Grandezza, die ihn nach seinem Solo-Auftritt mit Avner Dormans „Frozen In Time“ an die Seite seines Planet-Percussion-Ensemblemitglieds Slavik Stakhov rücken ließ – denn beim zweiten Werk des Abends, Gustav Mahlers (1860–1911) Sinfonie Nr. 1 „Der Titan“, übernahm er (nicht nur, aber vor allem) den Part an der Triangel.

Martin Grubinger moderiert „Klickklack“

Kurzum: Wer bis dahin noch kein Fan dieses begnadeten Trommlers war, ist es jetzt und schaut vielleicht auch mal bei „Klickklack“ vorbei, dem BR-Klassik-Magazin (alle 14 Tage montags, 23.15 Uhr, im Wechsel moderiert von Martin Grubinger und der Cellistin Sol Gabetta). Ein Fernsehteam sollte übrigens im Theater Schweinfurt dabei sein, wo die Philharmonie Südwestfalen das Dorman-Mahler-Programm ein weiteres Mal gab; auch dort unter der musikalischen Leitung von Chefdirigent Charles Olivieri-Munroe.

Voller Spannung: „Frozen In Time“

In Siegen ergründeten Solist und Orchester zunächst mit „Frozen In Time“ (2007) die Enden der Erde gewissermaßen mit musikalischen Mitteln. Das Stück des 1975 geborenen israelischen Komponisten Avner Dorman sucht in drei Sätzen – „Indoafrica“, „Eurasia“ und „The Americas“ – nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält und zugleich (wenn sich Erdplatten verschieben) regelmäßig auch schüttelt. Hier wechseln sich temporeiche Passagen mit meditativen Elementen ab, es geht mal harsch und schrill zu, dann wieder (zumal im zweiten Satz) entfaltet sich ein neuer, ganz stiller Zauber von solcher Intensität, dass man kaum atmen möchte, und schließlich darf sich das Spannungsvolle auch lösen: in der jazzig angehauchten Musik der Neuen Welt. Lang und begeistert war der Applaus für diese grandiose Aufführung, der – das war ein Muss! – Martin Grubinger seine spektakuläre Zugabe folgen ließ.

Zum 175. Geburtstag der Sparkasse Siegen

Mahlers „Erste“ war nach der Pause eine fast logische Fortsetzung des schon Gebotenen. Ein monumentales Werk, das die Welt nicht nur eindimensional zeigt, sondern als vielschichtig-komplexes Gebilde aus Tiefempfundenem, idyllisch Schönem, das aber sehr plötzlich und heftig gebrochen werden kann. Was gerade noch im Einklang ist (wie der Kanon des dritten Satzes), kann sich mit einem Mal zur wütend-trotzigen Karikatur wenden. Hier geht die Sache gut und triumphal aus. Das große Orchester malte die monumental angelegten Klangbilder in starken Farben aus. Diese Gala – zum 175. Geburtstag der Sparkasse Siegen und zugleich zum 25-Jährigen der S-Klassik-Reihe durchgeführt – war ein Fest der Musik.

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