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17.04.2017 13:04
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 Hans Werner Kocherscheidt hatte die wunderbare Gabe, die Mitarbeiter sowie die Menschen um ihn herum für sich und seine Ideen zu begeistern. Foto: EJOT

Hans Werner Kocherscheidt hatte die wunderbare Gabe, die Mitarbeiter sowie die Menschen um ihn herum für sich und seine Ideen zu begeistern. Foto: EJOT

EJOT-Chef Hans Werner Kocherscheidt verstorben

Ein Unternehmer mit Persönlichkeit

sz - Die Mitarbeiter der EJOT-Gruppe trauern um ihren Senior-Chef: Im Alter von 88 Jahren ist Hans Werner Kocherscheidt am Karfreitag nach kurzer schwerer Krankheit verstorben, teilte das Unternehmen in einer Presseerklärung mit. Die Region Siegen-Wittgenstein verliert mit Hans Werner Kocherscheidt eine der profiliertesten Unternehmerpersönlichkeiten. Hans Werner Kocherscheidt hat sich um seine Heimat Wittgenstein, um die Wirtschaft und um die Menschen in der Region verdient gemacht. Hans Werner Kocherscheidt hatte nicht nur als Unternehmer einen exzellenten Ruf, sondern auch als Rechtsanwalt und Notar.

Onkel Adolf Böhl hinterließ ihm seine Schraubenfabrik

Am 7. Oktober 1928 wurde Hans Werner Kocherscheidt in Werdohl geboren. Von seinen Eltern wurde er im protestantischen Glauben erzogen. Sein Vater war Lehrer und verstarb bereits sehr früh. Seine Mutter stammte aus Berghausen und ermöglichte ihm den Besuch der Oberschule für Jungen in Altena, wo er 1949 das Abitur ablegte. Es folgten das Jura-Studium in Mainz und Bonn, die Referendarzeit im Landgerichtsbezirk Siegen und die Zeit als Assessor in Essen. Ende der 1950er Jahre hat sich Hans Werner Kocherscheidt als Rechtsanwalt in Bad Berleburg niedergelassen. Im Februar 1959 heiratete er seine Frau Gisela. Sein kinderloser Onkel Adolf Böhl hinterließ seinem Neffen Hans Werner Kocherscheidt 1960 die gleichnamige Schraubenfabrik in Berghausen. „Nagelbude“ nannte der Verstorbene das kleine Unternehmen immer gern, weil seine Wettbewerber sie so bezeichnet hatten.

Kocherscheidt konnte Menschen für Ideen begeistern

Vier Jahre später erwarb Hans Werner Kocherscheidt die Schraubenfabrik Eberhard Jaeger in Laasphe. Aus beiden Unternehmen formte er die EJOT-Gruppe mit den heute weltweit über 3000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 450 Mill. Euro. Dazu gehörten Mut, Risikobereitschaft und ein Höchstmaß an persönlichem Engagement. Hans Werner Kocherscheidt hatte die wunderbare Gabe, die Mitarbeiter sowie die Menschen um ihn herum für sich und seine Ideen zu begeistern. Über die Jahrzehnte hinweg ist es ihm immer wieder gelungen, die richtigen Mitstreiter an seiner Seite zu finden. Dazu gehörte der Ingenieur Hermann Großberndt, der mit Erfindungen wie der ersten selbstfurchenden Schraube für die Kunststoffverschraubung den Erfolg der EJOT-Gruppe in den 1970er Jahren maßgeblich mit geprägt hat. Schon früh erkannte Hans Werner Kocherscheidt die Notwendigkeit, das Unternehmen international aufzustellen.

Gewinne immer wieder in das Unternehmen investiert

Die ersten internationalen Gesellschaften wurden bereits Anfang der 1980er Jahre gegründet. Heute verfügt die EJOT-Gruppe in mehr als 30 Ländern über Produktions- und Vertriebsgesellschaften. Nachhaltiges unternehmerisches Handeln bedeutete für Hans Werner Kocherscheidt stets, Gewinne in das Unternehmen zu investieren und nicht aus dem Unternehmen abzuziehen. Dieses nachhaltige Wachstum der EJOT-Gruppe hat sich nicht nur an betriebswirtschaftlichen Zahlen orientiert, sondern stets auch an den Menschen. Davon zeugt der kontinuierliche Aufbau der Unternehmensstandorte in Wittgenstein ebenso wie auch in Thüringen. In Tambach-Dietharz entwickelte Hans Werner Kocherscheidt das ehemalige VEB Schraubenwerk Tambach zu einem modernen und leistungsfähigen Unternehmensstandort. Auch dort sind die Menschen dankbar, dass ein verantwortungsvoller Unternehmer gekommen ist, der etwas bewegen wollte und auch bewegt hat. Schon früh hat Hans Werner Kocherscheidt die Weichen dafür gestellt, dass die Familie mit seinem Sohn Christian Kocherscheidt in der Geschäftsführung und seiner Tochter Kathrin Kocherscheidt im Beirat maßgeblichen Einfluss im Unternehmen behält.

Industrielehrwerkstatt als Ausbildungsstätte gegründet

Hans Werner Kocherscheidt hatte nicht nur das Wohl seines Unternehmens im Blick. Für ihn bedeutete unternehmerische Tätigkeit immer auch die Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung. Das galt ganz besonders bei der Ausbildung junger Menschen. Mit dieser Philosophie sicherte Hans Werner Kocherscheidt bereits frühzeitig Fachkräfte für das Unternehmen. Gleichzeitig bedeutete diese unternehmerische Haltung aber auch die Schaffung von vielen Arbeitsplätzen. Der Initiative von Hans Werner Kocherscheidt ist es zu verdanken, dass 1975 die Industrielehrwerkstatt als überbetriebliche Ausbildungsstätte gegründet wurde. Die Entwicklung der Lehrwerkstatt, dem heutigen Bildungszentrum Wittgenstein (BZW), hat er viele Jahre als Vorsitzender des Aufsichtsrates begleitet und gefördert.

Für die Interessen der heimischen Wirtschaft eingesetzt

Als langjähriger Vorsitzender des Industrie- und Forstverbands Wittgenstein hat sich der Verstorbene schon früh für die Belange und Interessen der heimischen Wirtschaft eingesetzt. Nach dem Zusammenschluss mit dem Verband der Siegerländer Metallindustriellen, den er mit initiiert hat, war er stellvertretender Vorsitzender des Verbandes und Mitglied des Beirates. Seit Jahrzehnten unterstützte Hans Werner Kocherscheidt zahlreiche soziale und kulturelle Projekte in der Region. Dazu zählen der Waldskulpturenweg Wittgenstein-Sauerland, die Weihnachts-Zeitreise Bad Berleburg, die Internationale Musikfestwoche auf Schloss Berleburg oder der Umbau des Abenteuerdorfes des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein. Hans Werner Kocherscheidt gehörte vor mehr als 50 Jahren zu den Gründungsmitgliedern des Rotary Clubs Berleburg-Laasphe.

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