Kultur
03.09.2017 13:43
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 Zum Auftakt der neuen Reihe Junges Apollo (JAp) brachte das Deutsche Theater Berlin am Freitag und Samstag den preisgekrönten Roman „Tschick“ auf die Bühne. Am Freitag, so Intendant Reitschuster, waren 70 Prozent der Besucher unter 20 Jahre alt! Foto: gmz

Zum Auftakt der neuen Reihe Junges Apollo (JAp) brachte das Deutsche Theater Berlin am Freitag und Samstag den preisgekrönten Roman „Tschick“ auf die Bühne. Am Freitag, so Intendant Reitschuster, waren 70 Prozent der Besucher unter 20 Jahre alt! Foto: gmz

Junges Apollo JAp und Spielzeit 2017/18 gestartet

„Der beste Sommer von allen“

gmz - „Tschick“: Ein Roadmovie, der vom Buch auf die Bühne kommt, ohne große Actiondarstellung, dafür aber mit Live-Musik. Eine Reise, die allein durch die Kraft der Sprache mitzuerleben ist, ohne besondere visuelle Anreize. Zwei „Taugenichtse“ in modernem Gewand, natürlich ohne das happy-ending: „Wir werden immer unterwegs sein.“ Und trotzdem stellen die beiden Hauptpersonen, Maik Klingenberg und Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, am Ende ihrer Ausreißer-Reise fest, dass der Sommer dieser kurzgeschlossenen Lada-Niva-Tour der „beste Sommer von allen“ war.

Gekonnte Sprach- und Sprechkunst der beiden Hauptdarsteller

Am Freitag- und Samstagabend zeigte das Deutsche Theater Berlin im (fast) ausverkauften Apollo-Theater Siegen die faszinierende Inszenierung des preisgekrönten, für die Aufführung klug gekürzten (Bearbeitung: Robert Koall) „Tschick“-Romans von Wolfgang Herrndorf. Regisseur Alexander Riemenschneider brachte die Geschichte vom Trip der beiden orientierungslosen Außenseiter Tschick und Maik, einer ein „Russe“, der andere ein „Idiot“, in einer auf die wesentlichen Erlebnispunkte reduzierten Version auf die Bühne. Dabei setzte er auf die wirklich gekonnte Sprach- und Sprechkunst der beiden Hauptdarsteller Sven Fricke und Thorsten Hierse, denen es mit wandelbarer Artikulation, Mimik und Gestik gelang, die anderen Figuren des Stück (Maiks Eltern, den Lehrer, Tatjana oder auch Horst Fricke, den „besten Schützen seiner Einheit“, oder die Polizisten) ebenso zu impersonieren wie abwechselnd Maik oder Tschick. Jeweils mit passendem Zungenschlag.

Die Schauspieler wechseln zwischen den Rollen hin und her

Der Regiekniff, die Rollen der beiden aus sehr unterschiedlich herausfordernden Verhältnissen stammenden 14-Jährigen keinem Schauspieler fest zuzuweisen, war glänzend: Ihre Zerrissenheit wurde augenfällig, zudem forderte die uneindeutige Zuordnung die ganze Aufmerksamkeit des gefesselt zuhörenden Publikums. Man folgte den beiden auf einer Zufallsreise in die Walachei: Das Ziel leuchtete in Glühbirnen-Buchstaben im Vegas-Glamour-Stil hinter der Showbühnentreppe ins Nichts (tolle Bühne: Rimma Starodubzeva), damit man es nicht aus den Augen verlor. Was die beiden dann aber doch taten. Sie waren nämlich orientierungslos, ohne Karte und Plan, meisterten aber jede neue Herausforderung auf dem Weg mit Unerschockenheit und Hartnäckigkeit, tarierten dabei ihr anfängliches Nicht-Verhältnis neu aus.

Spannend choreografierte Musik des Gitarristen Arne Jansen

Die plastische Schilderung ihrer Erlebnisse, die (zaghafte) Beschreibung und ansatzweise Analyse ihrer Gefühle, unterstützt durch die spannend choreografierte Musik des (Jazz-)Gitarristen Arne Jansen, machten das Publikum zu mitreisenden Beobachtern. Man wurde in die Unschuld des (Berglandschafts-)Paradieses mitgenommen, wo Maik der Versuchung begegnete, in Person von Isa (Wiebke Mollenhauer). Man erlebte mit, wie sie vage Zukunftspläne entwarfen (Treffen in 50 Jahren) und sich den Herausforderungen der Vergangenheit in Gestalt des schießwütigen Horst Fricke stellten. Das Rencontre mit dem Schweinetransporter beendete den Ausbruch aus der hilflosen Katastrophenstruktur ihres Alltags. Kein Problem war gelöst, aber es war der „beste Sommer von allen“. Von da aus kann es weitergehen?!

 Dieses Logo steht für die neue junge Sparte des Apollo-Theaters: JAp. Grafik: Apollo

Dieses Logo steht für die neue junge Sparte des Apollo-Theaters: JAp. Grafik: Apollo

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