Kultur
26.04.2017 10:42
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 Ausdrucksstarke Bilder sind es, mit denen das gee-whiz!-Ensemble der Gesamtschule Eiserfeld seine Geschichte in einer Szenencollage erzählt. „Briefe an Bäume und Wolken“ beeindruckt nachhaltig. Foto: ciu

Ausdrucksstarke Bilder sind es, mit denen das gee-whiz!-Ensemble der Gesamtschule Eiserfeld seine Geschichte in einer Szenencollage erzählt. „Briefe an Bäume und Wolken“ beeindruckt nachhaltig. Foto: ciu

gee whiz! feiert fünften Geburtstag

„Briefe an Bäume und Wolken“

ciu - Es gibt Hoffnung. Und die kann sehen, wer sehen, wer hören, wer fühlen, wer lieben kann. Sie deutet sich an: in einem Blick, einem Wort, in der Macht der Fantasie, im Wahrnehmen eines Gegenübers, sei es Mensch oder Vogel oder Baum oder Wolke. Ein Papierflieger, entstanden vielleicht aus dem gefällten Baum, an dem ein einzelnes welkes Blatt noch hing, landet nach seinem Flug aus einer anderen Welt mitten in einer Szene, die ein Szenario beschreibt: Männer, Frauen, Kinder bangen ums Überleben; ein Wort kann töten, der Herzschlag gilt als letzte und größte Gefahr – heißt es … Weshalb jede und jeder sich wie eine Schnecke ins eigene Haus zurückzieht. Eine kommunikationsunfähige, kranke Gesellschaft, todgeweiht, verloren. Dort hinein segelt dieser Brief, den ein Mädchen oder ein Junge im Matheunterricht geschrieben hat. Dieser Brief an die Wolken setzt fort, was im Brief an den Baum begonnen wurde: Aus der Erkenntnis, „dass die Welt, in der wir leben, ein bisschen seltsam ist“ (von manchem Wahnsinn geleitet, von Verrückten bestimmt …), formuliert sich eine Angst. Angst um die Wolken (und damit auch um den Kreislauf dessen, was die Welt am Leben hält) und Angst um die Menschen, „denn sie könnten den Spiegel ihrer Träume verlieren“.

Die Premiere am Dienstag wurde gefeiert

Wie aus tiefer Sorge Resignation werden kann („so endet es immer“), zeigt sich am General, einem generellen Bedenkenträger – wie Furcht sich verwandeln kann, in verantwortungsvolles Handeln zum Beispiel, entdeckt ein verliebter Junge im Dialog mit einem aufmerksamen Vögelchen. Das soll (s)eine gute Nachricht weitertragen: „Es gibt einen, der da ist.“ In diesem Satz liegt der Zauber eines möglichen Neuanfangs. Hoffnungsvoll endet damit die gut einstündige Aufführung des Stücks „Briefe an Bäume und Wolken“ des rumänischen Autors Matéï Visniec, das gee whiz!, das Jugendtheater der Gesamtschule Eiserfeld, in diesem Jahr auf die Bühne bringt. Die Premiere am Dienstag war eine gefeierte; am Donnerstag, 27. April, 19 Uhr, gibt es eine zweite Gelegenheit, diese aus sieben Szenen zusammengesetzte Geschichte (ja, es ist eine Geschichte, die dort erzählt wird!) zu erleben.

Regie führten Meike und Lutz Krämer

Was die acht Jugendlichen – Lilli Becker, Lee-Ann Hager, Karo Hampe, Niklas Kanehl, Noah Kerssen, Edward Roor, Hannah Sabotic und Jule Schneider – unter der Spielleitung von Meike Krämer (die im vorigen Jahr noch selbst zum Ensemble gehörte und dann, das Abi in der Tasche, ins Regiefach gewechselt ist) und Lutz Krämer in diesem, ihrem fünften Jahr vorstellen, gleicht dem Konterfei unserer Welt. Da ist der Mann, der morgens aufwacht und nur noch Leere in sich spürt, der allüberall weder Sinn noch Inhalt sieht und auch die anderen leeren Leute nicht erkennt. Da ist die Nachbarschaft, die nebeneinander lebt, von der Fundsache Flügel („Es lebe die Musik!“) zueinander gebracht wird, um doch – die Schlange hat auch in diesem momentanen Paradies ihren Platz – bald wieder auseinander zu stieben. Und klar, gibt es einen Rest von Mitgefühl, doch wirkliche Hilfe für den später in die Grube gefallenen General, der sein Schicksal mit dem Musiker teilen muss, bieten weder die Bäckerin noch die Blumenverkäuferin noch der roboterartige Zeitungsverkäufer an. Sie werfen denen „da unten“ hin, was sie entbehren können – mehr nicht … Kennen wir? Kennen wir – denn so sind wir.

Jede Aktion führt zu einer Reaktion

Erzählt wird all das in ausdrucksstarken, auf den Punkt gebrachten Bildern, die in und aus der Bewegung entstehen. Jede Aktion führt zu einer Reaktion, die Darstellerinnen und Darsteller agieren aufeinander bezogen und zeigen damit (wie in einer Sub-Botschaft), was entstehen kann, wenn Menschen miteinander etwas gestalten: eben jenes Mehr, das sich nicht nur aus der bloßen Addition einzelner Summanden ergibt. Mal agiert die Gruppe als uniforme Masse in grauen Hosen und Shirts, mal unterstreicht eine kleine Veränderung des Kostüms den Charakter: das Tutu der Tänzerin, die Schürze der Bäckerin, das rote Jackett der Hausbesitzerin. Ein Stuhl ist ein Stuhl (zu Hause, im Café), der Klavierhocker steht für das Tasteninstrument, der dürr gewordene Baum für die ganze Welt. Solches genügt, weil sich aus Spiel und Wort, aus Licht und Musik Panoramen entfalten, die schmerzhaft grausam und doch zum Dahinschmelzen schön sind.

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