Lokales
13.09.2017 10:05
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 Acht Monate auf Bewährung und 3000 Euro Geldbuße für einen Familienvater wegen eines Böllerwurfs. Foto: Archiv

Acht Monate auf Bewährung und 3000 Euro Geldbuße für einen Familienvater wegen eines Böllerwurfs. Foto: Archiv

Aus dem Bad Berleburger Amtsgericht

Böllerwurf auf der Nachtschicht

bw - Vollkommen sinnlos erscheinen zwar viele Fälle, die vor dem Amtsgericht in Bad Berleburg verhandelt werden. Aber die Straftat, die sich ein 43-jähriger Familienvater aus Bad Berleburg Mitte Mai aus Jux und Dollerei leistete, setzte in Sachen Sinnlosigkeit neue Maßstäbe. Morgens um 4.30 Uhr zündete er auf der Nachtschicht in einem Erndtebrücker Betrieb einen sogenannten „Polenböller“ an und warf diesen über eine Trennwand. Dort arbeitete gerade ein Kollege, der durch den Knall einen bleibenden Schaden am Gehör erlitt. Der 36-Jährige musste im Krankenwagen nach Lüdenscheid in eine Spezialklinik gebracht werden, wo ein Knalltrauma diagnostiziert wurde. Noch heute leidet er auf einem Ohr unter Tinnitus. „Das wird auch so bleiben“, verriet der Geschädigte gestern dem Gericht: „Es kommt und geht, mal mehr und mal weniger.“

„Das haben wir früher schon gemacht“

Wenn er keinen Gehörschutz getragen hätte, so hatte er in der Klinik erfahren, hätte er wohl sein Gehör zumindest auf der einen Seite verloren. Eine Erklärung, warum er den Böller durch die Halle geworfen hat, konnte der 43-jährige Angeklagte gestern nicht liefern. Ein Spaß sollte es nur werden, „das haben wir früher schon gemacht“, meinte der Usbeke, der durch die Aktion nach fast acht Jahren seine Arbeitsstelle in der Erndtebrücker Firma verloren hat. Beide Männer versicherten, nie Ärger miteinander gehabt zu haben.

Der 43-jährige Berleburger hatte sich auch schon bei dem Kollegen entschuldigt. Der Geschädigte selbst war sogar noch zur Betriebsleitung gegangen, um den Kollegen vor dem Rausschmiss zu bewahren. „Ich weiß, dass er nicht gewollt hat, dass etwas passiert“, meinte der 36-Jährige. Das Unternehmen wollte es angesichts dieser rücksichtslosen Tat seines Mitarbeiters aber nicht bei einer Abmahnung belassen. Auch Richter Torsten Hoffmann hatte keinerlei Verständnis für den Böllerwurf in der Fabrikhalle: „Sie sind doch keine 13 mehr, sondern inzwischen 43 Jahre alt.“

„Ich bin mittelprächtig entsetzt“

Fassungslos war ebenfalls Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel angesichts dieser Tat: „Ich bin mittelprächtig entsetzt. Was hat denn bei Ihnen ausgesetzt? Das war unverantwortlich und total lebensgefährlich.“ Die „dumme Idee“, wie es die Vertreterin der Staatsanwaltschaft bezeichnete, war letztlich nichts anderes als eine gefährliche Körperverletzung, für die es gestern acht Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung und 3000 Euro Geldbuße als Urteil gab. Der Angeklagte nahm seine Strafe kleinlaut an, das Geld geht an den Förderverein Kinderzuhause in Burbach.

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