Kultur
06.04.2017 19:50
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 Es ist vielleicht der letzte gemeinsame Sommer der Freundinnen Jameelah (Johanna Pollet, l.) und Nini (Ina-Lene Dinse). Jameelah droht die Abschiebung. Foto: ach

Es ist vielleicht der letzte gemeinsame Sommer der Freundinnen Jameelah (Johanna Pollet, l.) und Nini (Ina-Lene Dinse). Jameelah droht die Abschiebung. Foto: ach

Jugendtheater im Siegener Lÿz

 Sexualität, Identität, Moral

ach - Nini (Ina-Lene Dinse) und Jameelah (Johanna Pollet) sind beste Freundinnen. Doch Jameelah droht nun die Abschiebung zurück in den Irak – es könnte ihr letzter gemeinsamer Sommer gewesen sein. „Ey, wir suchen uns die süßesten Typen der Welt und lassen uns entjungfern“, schlägt Jameelah vor, und dann ziehen die Mädchen mit ihrer selbst gemischten Tigermilch aus Milch, Maracujasaft und Mariacron los in den Sommer, in dem sie erwachsen werden wollen. „Tigermilch“ ist ein kurzweiliges zeitgenössisches Theaterstück von Sabrina Ullrich, das das vierköpfige Ensemble des Westfälischen Landestheaters am Dienstagvormittag im Lÿz spielt. Es basiert auf dem gleichnamigen Buch von Stefanie de Velasco und ist geschrieben für Jugendliche ab 15 Jahren. Zur Schulaufführung am Dienstag erschienen zahlreiche Zehntklässler – das Haus war voll.

Kein Blatt vor den Mund genommen

Die Schauspielerinnen mimten die toughen Mädchen mit Bravour und nahmen kein Blatt vor den Mund, als es um Sex und die bevorstehende Entjungferung der Mädchen ging. Lukas und Nico (Banar Fadil) lauten die Namen der beiden auserkorenen Jungs; das sorgte für prustendes Gelächter im Publikum, denn dort schien es wohl den ein oder anderen Klassenkameraden mit eben diesen Namen gegeben zu haben. Es dauerte eine Weile, bis sich die Schüler voll und ganz auf das Theaterstück einließen. Mit einer Bikinischau im Freibad und Kiffen auf Partys fing Ninis und Jameelahs Sommer-Abendteuer an, doch die Handlung spitzte sich immer mehr zu: Die Mädchen schliefen mit Freiern und beobachteten einen Mord. Sie wollten das Erlebte vergessen, aber ihr Freund Amir (Martin Geisen) sollte unschuldig ins Gefängnis gehen. Da mussten sie etwas unternehmen. Je kritischer die Themen wurden, desto ernster wurde auch das jugendliche Publikum. „Die Uhr steht auf 14 nach“, sagte Nini und bald darauf „Die Uhr steht jetzt schon auf 20 nach. Nur noch 40 Minuten Leben.“ Immer wieder kam dieser Zeitvergleich. „Was bedeutet diese Uhrzeit, das verstehe ich nicht“, raunte jemand im Publikum.

Aus Spaß wurde Ernst

Was mit oberflächlichen Späßen begann, entwickelte sich in rund 80 Minuten Spieldauer zu einem sehr tiefgründigen Stück, das sich mit sensiblen Themen wie Sexualität und Identität, Moral, Tugend und nicht zuletzt auch Abschiebung befasste. „Ich fand das wirklich gut, wie die Schauspieler diese Themen rübergebracht haben“, sagte eine Schülerin nach der Aufführung. Im Unterricht wollen die Jugendlichen nun die Inhalte des Theaterstücks noch einmal nacharbeiten.

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